Wolfgang Amadeus Mozart: Divertimento

mit Arien aus „Le Nozze di Figaro“, „Don Giovanni“, „La Clemenza di Tito“ und „Die Zauberflöte“, arr. R. Schottstädt/S. Manz

Die Geschichte der hier vorliegenden Bearbeitungen reicht zurück bis ins Jahr 2003, dem Jahr, in dem ich begann, zu studieren: Direkt im 1. Semester wurde mir ein Bassetthorn, das schnell zu meiner „Lieblingsklarinette“ wurde, in die Hände gedrückt. Dann reizten wir innerhalb der Klarinettenklasse alles von Duos bis hin zu Quintetten aus, was die Original-Literatur, aber auch diverse Bearbeitungen, hergaben. Eine Bearbeitung für 2 Klarinetten und 3 Bassetthörner stach für mich besonders heraus: Das „Don Giovanni“ – Divertimento von Rainer Schottstädt. Weitere Mozart – Divertimenti für 3 Bassetthörner (Originale von Mozart, aber auch Bearbeitungen vom Trio di Clarone und/oder R. Schottstädt) konnte ich während meiner Studienzeit ausgiebig mit einem eigenen Klarinettentrio aufführen. Somit wuchs mir insbesondere die Musik von „Don Giovanni“, „Die Hochzeit des Figaro“ und „La clemenza di Tito“ sehr ans Herz.

Nachdem es mich 2011 zum SWR nach Stuttgart zog, genoss ich weiterhin regelmäßige Orchester – interne Kammermusik. So kam es in Stuttgart am 27. September 2015 zu einem denkwürdigen Konzert mit meinen Klarinettenkollegen Dirk Altmann, Rudolf König, Karl-Theo „Sigi“ Adler und Kurt Berger: Neben Solo-, Duo, und Trio-Werken war es mir ein besonderes Anliegen, Quintette mit 2 Klarinetten und 3 Bassetthörner aufzuführen. Zu diesem Anlass beauftragte ich Rainer Schottstädt mit Bearbeitungen weiterer Mozart-Arien für diese Besetzung. Auf Basis seiner Bassetthorn-Trio-Fassungen fertigte er dann Quintette mit Musik aus „Die Hochzeit des Figaro“, „La Clemenza di Tito“ und „Die Zauberflöte“ an. Mit letzterem Meisterwerk verbinde ich zudem eine besondere Kindheitserinnerung: Als Mitglied des „Knabenchor Hannover“ kam ich an die Oper Hannover und durfte dort den Part des 1. Knaben insgesamt 9 Mal singen. Durch diesen Bezug war mir diese Oper sehr vertraut und so habe ich daraus die Arien „Ach, ich fühl´s“ und „Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen“, zwei persönliche „Highlights“, bei R. Schottstädt bestellt, welche er mir dann im Sommer 2015 bei einem Treffen in Köln überreichte.

Ein Jahr später, im September 2016, verstarb Rainer Schottstädt vollkommen unerwartet. Somit sollte das Treffen in Köln das einzige bleiben. Kurzerhand entschloss ich mich, auch aufgrund größeren Interesses diverser Veranstalter und Festivals, einige von Rainer Schottstädts Klarinettenquintett-Arrangements für mein Holzbläserquintett umzuschreiben. Dies stellte mich vor enorme Herausforderungen, denn während die bisherigen Bearbeitungen sich des vollen Tonumfangs der Klarinetten und Bassetthörner (welche zu den größten innerhalb der Holzbläser zählen) bedienten, musste ich nun gut überlegen, wie Mozarts Musik möglichst homogen auf eine solch delikate Besetzung umzuschreiben gelingen könnte. Die komplett verschiedenen Klangfarben und Tonlagen von Flöte bis Fagott sind extrem reizvoll, können aber auch hinderlich sein für einen einheitlichen Bläserklang. Es macht bei Mozart keinen Sinn, die (heute) theoretisch möglichen Tonumfänge bis an die Grenzen auszureizen. Die Stimmen sollten so komfortabel gesetzt sein, dass sich alle Instrumente jederzeit von ihrer besten Seite zeigen können, idealerweise ganz so, wie Mozart selbst die Bläser in seinen Opern zur Geltung bringen lässt.

Auf eine konkrete Anfrage des „Rheingau Musik Festival“ für ein stimmiges Bläserquintett – Programm im Sommer 2017 mit Mozart und Werken aus dem 20. Jahrhundert ließ ich es mir nicht nehmen, die Zauberflöten-Ouvertüre zu arrangieren. Nach einigen Auftritten und vielen kleinen Anregungen meiner Mitmusiker kamen dabei allmählich praxisnahe Versionen heraus, die beim Publikum auf ein unglaubliches Echo stießen. Zahlreiche persönliche Anfragen von anderen Musiker*innen und Ensembles motivierten mich zusätzlich dazu, diese tolle Repertoireerweiterung vernünftig aufzuarbeiten. Daher möchte ich mich bei Matthias Schottstädt, der den Verlag seines Vaters nach dessen Tod übernommen hat und weiterführt, ganz herzlich danken fürs Editieren, die intensive und gewissenhafte Auseinandersetzung mit der neuen Instrumentierung und die Möglichkeit, diese tolle Harmoniemusik beim Musikverlag Rainer Schottstädt herauszubringen.

Ein kleiner Hinweis zur Nummer 8 („Non più di fiori“): Im Original ist diese Nummer fürs Bassetthorn komponiert und daher in der entsprechenden Tonart F-Dur auch für die anderen Instrumente ideal gesetzt (Nr. 8a). Aufgrund der praktischen Umsetzung und logistischen Herausforderung habe ich mich dazu entschieden, zusätzlich eine Fassung mit Klarinette in B anzufertigen und entsprechend nach B-Dur zu transponieren (Nr. 8b). Dadurch verschiebt sich zwar vor allem die Flötenlage recht weit in die Höhe und wird zu einer Herausforderung, was der Musik jedoch keinen Abbruch tut. Ebenso müssen Teile der Bassetthornstimme vom Fagott übernommen werden, was aber auch gut funktioniert. Dennoch möchte ich allen Klarinettistinnen und Klarinettisten die Bassetthorn-Fassung ans Herz legen, denn sowohl die weiche Klangfarbe als auch die verschiedenen Register, die Mozart zu genüge auskostet, sind eine wahre Freude! Nicht umsonst war das Bassetthorn auch Mozarts „Lieblingsklarinette“.

Auch wenn es sich hier um keine Original-Werke für das Bläserquintett handelt, so zählt Mozarts Musik qualitativ mit zum Besten, was es überhaupt gibt. Gepaart mit dem Klangfarbenspektrum und der charakterlichen Vielfalt eines klassischen Bläserquintetts lassen die vorliegenden Bearbeitungen Mozarts Opernwelt aufleben und kammermusikalisch nachempfinden. Die Reihenfolge der acht Arien ist bewusst gewählt, um eine gewisse Dramaturgie zu erzeugen. Aus der Erfahrung heraus lohnt es sich, aus diesen acht Nummern zwei Blöcke zu machen mit einer Dauer von jeweils 15-20 Minuten, um somit z.B. zeitgenössischere Werke innerhalb eines Konzert-Programms perfekt einrahmen zu können. Jedoch sind der Programmgestaltung mit diesen Werken keine Grenzen gesetzt. Einzelne Arien lassen sich perfekt als Zugabe oder auch zu fast jedem Anlass als kurzes „Intermezzo“ einbauen. Genauso lässt sich jede andere Kombination und Reihenfolge ausprobieren. Hierbei sollten die Ausführenden ihre Kreativität geschmackvoll unter Beweis stellen, natürlich ebenso in den Interpretationen.

Sebastian Manz

Stuttgart, im November 2019